E-Mobilität im Alltag eines Beraters mit dem Jaguar I-PACE

Mit viel Spannung und Vorfreude habe ich die Studie zur Beurteilung der Alltagstauglichkeit eines vollelektrischen Kraftfahrzeuges in die Tat umgesetzt. Nachdem zunächst Jochen und anschließend Vjaceslav unser Elektrofahrzeug erproben konnten, habe ich den Jaguar Ende Oktober übernommen.

Dass gleich die erste Fahrt eine Härteprobe für mich werden würde, hatte ich im Vorfeld der Fahrzeugübernahme nicht erwartet. Dabei war der Grund hierfür eine gewöhnliche Situation aus dem Alltag eines Beraters. Aufgrund von anstehenden Kundenterminen hatte Vjaceslav es leider nicht mehr geschafft, das Fahrzeug vollgeladen an mich zu übergeben. Somit wusste ich bereits beim Einsteigen, dass ich es ohne Zwischentanken, Entschuldigung „Laden“, wohl nicht bis nach Hause schaffen werde. Um nicht weitere Zeit zu verlieren begab ich mich rasch auf die Rückreise von Chemnitz nach Hersbruck (240km).

Die erste Fahrt

Bereits im Vorfeld hatte ich mir mögliche Optionen zum Schnelladen, also Ladestationen mit mindestens 50kW (CCS), entlang der A72 herausgesucht. Doch gleich die ersten beiden Säulen des Anbieters Allego funktionierten nicht. Dazu später mehr.

Am Rasthof Vogtland in der Nähe von Plauen habe ich dann eine Ladesäule von E.ON gefunden. Die E.ON-Ladesäulen gehören allerdings nicht zum Plugsurfing-Verbund, sodass man eine separate App zur Aktivierung des Ladevorgangs benötigt. Alternativ, und zu etwas höheren Kosten, kann der Ladevorgang direkt mit Kreditkarte bezahlt werden. Die Kosten belaufen sich auf 11,95€ pro Ladevorgang, egal wie lange und wie viel Energie geladen wurde. Erst der 4. Versuch funktionierte und der Ladevorgang startete. Dieser Katastrophe bin ich glücklicherweise noch mal entgangen. Auf der Kreditkartenabrechnung offenbarte sich dann der nächste Schock: alle vier Versuche wurden gemäß des Pauschaltarifs abgerechnet! E.ON hat meine spätere Reklamation akzeptiert und die Kosten für die Fehlversuche zurückerstattet.

Fehlermeldung an Allego Ladesäule

Erste Erkenntnis

Gleich in dieser Nacht wurde mir bewusst, dass nicht alleine die Batteriekapazität des Autos auschlaggebend ist. Genauso wichtig ist der Ladezustand des Mobilfunktelefons! Die Suche nach möglichen Ladepunkten erfolgt per Handy-App, das Aktivieren des Ladevorgangs teilweise auch. Im Fall von Störungen – und das kommt vor – muss die Hotline angerufen werden. Oft bewirkt ein Neustart der Steuerungssoftware der Ladesäule Wunder. Das Scannen von QR-Codes zur Aktivierung des Ladevorgangs funktioniert nur bei Tageslicht, bei Nacht muss zusätzlich das Licht am Handy aktiviert werden.

Zweite Erkenntnis

Eine ausführliche Reiseplanung mit Lademöglichkeiten entlang der Route ist essentiell, zumindest bei neuen Fahrstrecken. Traurige Realität ist aber, dass nicht jeder verfügbare Ladesäule auch funktioniert. Zumindest ist das bei unserem Jaguar I-PACE so! Daher ist es sinnvoll, insbesondere bei neuen Routen, die Batterie nicht ganz leer zu fahren. Sobald eine Restlaufleistung von 100km erreicht wird, sollte man nach geeigneten Lademöglichkeiten suchen. Nachteil dieser Vorgehensweise: Die Gesamtlaufleistung des I-PACE reduziert sich faktisch um eben diese Reserve.

Gesamtlaufleistung

Mit der Gesamtlaufleistung habe ich mich im Rahmen meiner Nutzungszeit ebenfalls ausgiebig beschäftigt. Laut Herstellerangaben soll der Jaguar eine Recihweite von 480 km (nach WLTP) haben. Von Beginn an stand ich mit unserem Jaguar-Händler hierzu im Austausch, da der I-PACE bei Abholung gerade einmal 310km Reichweite angezeigt hat. Um das Endergebnis vorweg zu nehmen: Über 325km Reichweite bin ich nie hinausgekommen. Nach einer mehrtägigen Fahrzeuguntersuchung hat der Jaguar-Partner eine Reichweite von 394km erreicht.

 

Ein späteres Software-Update hat die maximale Reichweite auf 414km ansteigen lassen.

Nach wenigen Tagen waren es dann wieder die gewohnten 325km Reichweite. Ich gebe gerne zu, dass ich die 400PS des doppelt motorisierten SUVs auch gerne zu meiner eigenen Freude am Fahren abrufe. Demnach habe ich auch nie erwartet, dass ich die angegebenen 480km jemals schaffen werde. Einen Wert über 414km haben letztlich weder wir noch unser Jaguar-Händler je gesehen. Dies schließt die Kollegen, die den Jaguar vor mir gefahren haben, mit ein. Daher stellt sich mir tatsächlich die Frage, ob es sich hierbei nicht sogar um eine bewusste Täuschung oder schlichtweg um eine Falschangabe handelt?

Allego und Efacec

Im Rahmen dieser beiden Werkstatttermine – insgesamt war unser I-PACE vier Wochen (19 Werktage) bei Jaguar – wurde auch das nicht-funktionierende Laden an den stark verbreiteten Efacec-Ladesäulen untersucht. Ergebnis der ausführlichen Überprüfung war, dass uns Allego über Jaguar folgende Rückmeldung zukommen ließ:

Der Jaguar I-Pace kann leider nicht an unseren Efacec-Ladesäulen laden. Wegen einem Kommunikationsfehler können Ladevorgänge nicht gestartet werden. Zusammen mit dem Hersteller der Säule und Jaguar hat Allego eine Lösung entwickelt. Weil 220 Ladesäulen betroffen sind und diese Lösung leider nur vor Ort durchgeführt werden kann, wird sie erst im Rahmen der nächsten Wartung in Juni durchgeführt.“ (Antwort von Allego vom 25.02.2020)

Ob dieser Fehler inzwischen behoben ist, müssen die Kolleginnen und Kollegen beantworten, die den Jaguar nach mir testen.

Fazit

Andreas
Kühlewind Geschäftsführer

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