Das stetige Wachstum moderner IT-Architekturen führt zwangsläufig zu einem kritischen Punkt, an dem Wissen über APIs und Datenflüsse in Silos verloren geht. Wenn die manuelle Dokumentation nicht mehr mit dem Innovationstempo mithalten kann, wird die Integration neuer Tools zum Risiko. Open Resource Discovery (ORD) löst dieses Dilemma durch die Einführung einer universellen Selbstbeschreibung für Anwendungen: Anstatt Informationen mühsam zusammenzusuchen, befähigt ORD Anwendungen dazu, ihre eigenen Schnittstellen und Datenstrukturen standardisiert offenzulegen.

Das Konzept hinter Open Resource Discovery

Open Resource Discovery (ORD) ist ein offener Standard, der ursprünglich von SAP entwickelt wurde und als „universelle Sprache“ für Anwendungen dient, damit diese sich selbst beschreiben können. Das Ziel von ORD ist es, das Problem von uneinheitlichen und verstreuten Metadaten zu lösen, das oft über verschiedene Systeme und Protokolle hinweg herrscht.

Das Besondere an ORD ist seine Vielseitigkeit: Es kann einerseits genutzt werden, um statische Dokumentationen (wie zum Beispiel für API-Kataloge) zu beschreiben. Andererseits kann es aber auch die ganz individuellen Konfigurationen und Erweiterungen widerspiegeln, die in einer spezifischen Systemumgebung zur Laufzeit aktiv sind. So wissen Entwickler und Maschinen immer ganz genau, wie sie ein System aktuell nutzen können.

Die Notwendigkeit von ORD in komplexen Systemen

In komplexen IT-Landschaften erfolgt die Integration von Metadaten oft über mühsame Punkt-zu-Punkt-Verbindungen, was zu einem unübersichtlichen Netz führt. ORD löst dieses Problem durch:

  1. Standardisierung: Es bietet einen einheitlichen Standard für die Beschreibung von APIs, Events, Taxonomy, Fähigkeiten, Delta sharing und Datenprodukten.
  2. Zentrale Aggregation: Durch zentrale Sammelstellen wird die Komplexität massiv reduziert von einem unüberschaubaren Netz (O(n)) hin zu einer einfachen, zentralen Struktur (O(1)).
  3. Automatisierung: Da die Entdeckung und der Austausch standardisiert sind, können diese Prozesse automatisch ablaufen. Das ist besonders wichtig für moderne Low-Code-Entwicklung und KI-Anwendungen.

Vom statischen Katalog zur echten Laufzeit-Einsicht


ORD ist extrem flexibel und deckt zwei wichtige Bereiche ab:

  • Statisch: Im SAP Business Accelerator Hub wird ORD genutzt, um einen zentralen Katalog öffentlicher APIs und Events bereitzustellen. Das ist quasi das „Handbuch“ für Entwickler, um zu sehen, was theoretisch möglich ist.
  • Live: Das Unified Customer Landscape (UCL) nutzt ORD für den Live-Einblick. Da Kundensysteme oft stark angepasst sind, reicht eine statische Doku nicht aus. UCL zeigt dir in Echtzeit, welche Ressourcen in deiner spezifischen Umgebung tatsächlich aktiv und wie sie konfiguriert sind.

Die Rollen im ORD-Ökosystem

Damit das Ganze reibungslos funktioniert, gibt es in der ORD-Welt drei Hauptrollen:

  • ORD Provider: Das ist das System selbst (z. B. eine App), das seine Metadaten zur Selbstbeschreibung bereitstellt. Er implementiert die Provider-API und macht die Infos über REST-Schnittstellen zugänglich.
  • ORD Aggregator: Er ist der „Sammler“. Er trägt die Infos von vielen Providern zusammen und bündelt sie zu einer einheitlichen Sicht egal ob als statischer Katalog oder als Live-Abbild einer echten Systemlandschaft.
  • ORD Consumer: Das bist du oder ein System, das diese Infos nutzt. Am besten holst du dir die Daten vom Aggregator, um ein vollständiges Bild der Landschaft zu bekommen.

Das "Data Product"-Konzept

Ein Highlight in ORD ist die Integration von Data Products. Inspiriert vom Data Mesh-Prinzip, werden Daten hier als kuratierte Produkte mit klaren Verantwortlichkeiten betrachtet. Ein Data Product hat in ORD klare „Eingänge“ (Input Ports) für die Datenherkunft und verpflichtende „Ausgänge“ (Output Ports) über APIs oder Events. So verhinderst du, dass Metadaten-Graphen fragmentieren, und verbindest die Datenwelt nahtlos mit der Softwareentwicklung.

Skalierbarkeit und Qualität durch „Shift-Left“

Damit ein Standard wie ORD sein volles Potenzial entfaltet, muss die Umsetzung für Entwicklerteams so einfach wie möglich sein. SAP setzt daher auf eine direkte Integration von ORD-Support in bestehende Frameworks wie die ABAP-Plattform oder das CAP-Modell und bietet einen Generic Provider Server, mit dem sich statische Metadaten ohne hohen Implementierungsaufwand bereitstellen lassen.

Um gleichzeitig eine konsistente Datenqualität zu garantieren, wird einen „Shift-Left“-Ansatz verflogt: Validierungen finden bereits früh im Entwicklungsprozess (CI/CD) statt. Durch ein abgestuftes System von „Policy Levels“ und zentrale Quality Gates wird sichergestellt, dass Metadaten nicht nur vorhanden, sondern für Mensch und Maschine gleichermaßen verlässlich sind. Dieser datengetriebene Kreislauf ermöglicht es, die Dokumentationsqualität kontinuierlich zu steigern.

Fazit

ORD bricht isolierte Metadaten-Silos auf und verwandelt eine unübersichtliche IT-Landschaft in eine präzise, vernetzte Landkarte deiner Ressourcen. Es ist die Basis für eine skalierbare Architektur und dient als essenzielle Informationsquelle für KI-Systeme und autonome Agenten, die auf diese strukturierten Daten angewiesen sind, um komplexe Aufgaben effizient auszuführen. Wenn du tiefer in die Details eintauchen möchtest, wirf einen Blick in die Dokumentation.