Vor einigen Wochen haben wir die Insight 2016 durch einen Liveticker auf unserem Blog medial begleitet. Daneben haben wir uns es aber nicht nehmen lassen uns mit Vordenkern wie Ranga Yogeshwar oder Nick Sohnemann auszutauschen. Nick Sohnemann beschreibt in seinem Interview wie er sich Unternehmen vorstellt, die Treiber digitaler Innovationen sind und wie in deutschen Unternehmen die Innovationskultur gefördert werden kann. Viele unserer Kunden haben erkannt, dass die Digitalisierung ein wichtiger Schritt für den zukünftigen Erfolg der Unternehmen sein wird. Als Beratungshaus können wir für unseren Kunden Wegbegleiter für digitale Innovationen sein und die gewonnenen Daten in entscheidungsrelevante Informationen umformen.

In Ihrer Keynote haben Sie aktuelle Innovationen vorgestellt. Können Sie mir erklären, was uns in Zukunft erwarten wird?

Aktuell gibt es fünf oder sechs verschiedene Themen, die sich stark entwickeln. Eines davon ist auf jeden Fall Virtual Reality. Das hat dieses Jahr begonnen. Es gibt einige Anbieter, die diese Technologie jetzt auf den Markt bringen. Das finde ich deshalb so spannend, weil teilweise auch der Usecase noch nicht klar ist. Sprich, man weiß noch nicht genau, wofür man diese Brillen eigentlich verwenden kann. Aber man weiß, sie haben einen Business Aspekt, aber auch einen Consumer Aspekt. Dann gibt es außerdem noch Roboter, zum Beispiel Alltagsroboter oder Office Roboter, die den Alltag verbessern werden. Sie werden sich Sachen merken können, die wir uns nicht so gut merken können - die unsere Inbox und unsere Kalender kennen und uns auf Sachen hinweisen. Das, was dahinter arbeitet, nennt sich Machine Learning oder Artificial Intelligence. Das ist zurzeit sicherlich auch eines der größten Forschungsgebiete im Silicon Valley. Eigentlich versucht im Moment jede große Firma daran zu arbeiten. Man bekommt heutzutage einfach kein Geld mehr für eine lustige Internetfirma oder eine Gaming-App. Man muss heute schon wirklich was Komplexeres können im Programming Bereich.   Weitere Themen sind auch Augmented Reality, Selbstfahrende Autos oder 3D-Drucker, die Essen drucken können. Es gibt auch Sticker, die man auf die Haut klebt, also eine neue Art von Wearables, die uns helfen, unseren Körper gesund zu halten. Die Sticker messen Daten über unsere Körpertemperatur, unseren Kalorienzufuhr und -verbrauch. Das alles sind aktuell große technische Themen. Einige davon sind sicher schon weiter entwickelt, andere sind noch in der Prototypenphase und ich bin nur der Messenger, der sie schon einmal gesehen hat und sie dann auf Events bringt, um sie dem deutschen Publikum dann ein bisschen näher zu bringen.

Sie haben auch eine Entwicklung vorgestellt, bei der versucht wird das Szenario aus dem Film HER nachzuempfinden. Hier geht es um eine intelligentere Form von der Software, auf der bspw. Siri oder Cortana basieren. Auf welchem Stand sind wir denn da jetzt gerade und wie lange wird es noch dauern, dass dieses Szenario in der Realität herrschen könnte?

Das kann ich relativ konkret sagen. Der Unterschied gegenüber dem, was wir heute so standardmäßig haben, wie zum Beispiel Siri und Cortana oder OK Google, ist folgendes Problem: Sie haben keinen Memory-Effekt. Das heißt, idealerweise würden sie alles speichern was ich sage. Dies tun sie auch vereinzelt, aber eigentlich speichern sie nur Schlüsselwörter. Sie merken sich nicht ganz genau meine Stimme und nicht wie ich gerade fühle. Und das ist genau das, was jetzt grade bearbeitet wird. Sie versuchen ein Muster in den Stimmen zu erkennen, wie derjenige drauf ist, was für Informationen in der Situation zur Verfügung gestellt werden könnten. Dies wird aktuell getestet. Es gibt verschiedene Ansätze. Natürlich sind große Player wie Apple oder Google auch dabei, aber es gibt auch einige neue Unternehmen unter denen, die an so einer Software arbeiten. Ich würde sagen, dass es noch 5 Jahre dauern wird, bis es so gut funktioniert, dass es wirklich wie ein menschlicher Gegenpart funktioniert. Also auch nicht mehr ewig.

Beispielsweise Apple oder Google, die im Moment Treiber von Innovationen sind, sind keine deutschen Unternehmen. Welche Bedeutung hat Deutschland bei der Digitalisierung?

Also ein Thema ist natürlich, dass die deutschen Unternehmen keine große Erfahrung damit haben. Die Digitalisierung erfordert ganz andere Wege mit denen man Geld verdienen kann. Diese Transformation zeigt eben, wie viele Branchen ihre Wirtschaftsketten verändern. Das heißt wofür wir traditionell als User Geld bezahlt haben, wie zum Beispiel für Metall, verliert an Wert. Dafür werden Serviceanwendungen auf Basis von Daten viel interessanter. In Deutschland sind wir einfach schlecht gestartet. Da fehlen uns jetzt 15 bis 20 Jahre. Aber ich will die Hoffnung nicht aufgeben. Wir haben dafür eine sehr gute Industrie, ein sehr hohes Bildungsniveau; sprich wir haben gute Grundvoraussetzungen, um das aufholen zu können. Leider fehlt das Umdenken noch. Das Problem ist sicherlich, dass es vereinzelte strukturelle Probleme gibt. Zum Beispiel haben wir in einigen digitalen Märkten einen kleinen Netzwerkeffekt. Die europäischen "Kleinstaaterei" wirkt dieser Entwicklung jedoch entgegen. Das heißt, wenn wir ein großer europäischer Kontinent wären, wäre das einfacher, vor allem was die Geschäftsbedingungen angeht. Aber es gibt noch viele andere Gründe. Ich hoffe auf jeden Fall, dass die entscheidenden Knöpfe in den Unternehmen jetzt gedrückt wurden, dass diese neuen Dinge allmählich auch im Management ankommen und dass eines Tages ein Umdenken stattfinden wird.

Was braucht Deutschland jetzt um Treiber digitaler Innovationen zu werden?

Da kann man jetzt sehr viele Punkte nennen. Was kann man direkt beeinflussen? Wie kann man die Innovationskultur im Unternehmen verändern oder überhaupt Innovationen zulassen? Solche Impulse müssen vom Topmanagement kommen. Das ist die allerwichtigste Erfolgsregel. Wenn das Topmanagement dagegen ist, dann funktioniert das nicht. Man muss eine Innovationskultur, um Unternehmen zu fördern, ebenfalls einfordern. Das heißt, zur Not auch Mitarbeiter, die sich wiedersetzen, zu feuern. Man muss auch intern, also in der Firmenstruktur, Hacking fördern. Ich nenne es gern U-Boot Strategie. Den Mitarbeitern einfach mal zu sagen: Hier habt ihr 20.000€, probiert das einfach mal aus. Es ist wichtig, mehr Experimente zu wagen. Das ist die einzige Sache, die funktioniert. Und natürlich braucht man eine gewisse Offenheit dafür auch zu sagen, das man als Unternehmen neue Geschäftsmodelle sucht. Es muss ein Verständnis dafür geben, dass man weiß, dass man mit dem klassischen Weg nicht ewig Geld verdienen wird. Und dann gibt es noch Sachen, die auf makroökonomischer Ebene stattfinden müssten. Idealerweise gibt es einen vereinten europäischen Kontinent mit einer gemeinsamen Sprache. Das wären natürlich alles tolle Vorstellungen und Ideen, aber leider nicht sehr realistisch.

Denken Sie, dass die Digitalisierung hier in Deutschland schon über den Menschen hinweg stattfindet oder mit deren Werten einhergeht?

Ich glaube, das Schöne an einer Innovationskultur für das Unternehmen ist, dass sie sehr nutzerzentriert ist. Man braucht gar nicht mehr lange in der Forschung und Entwicklung entwickeln, so wie es in der Vergangenheit war. Heutzutage muss man einfach den Kunden viel öfter fragen und viel mehr Sachen ausprobieren. Deshalb glaube ich, für uns User wird es eine Welt sein, in der viele unserer Probleme digital gelöst werden. Allerdings muss man wissen, beziehungsweise müssen Unternehmen verstehen, dass es eine Diffusionsgruppe gibt: Sprich Leute, die Innovatoren sind und Lust auf neue Sachen haben. Genauso wie es immer Leute gibt, die nicht offen für neue Entwicklungen sind. Und da muss ein Unternehmen auch mal sagen, dass sie nach diesen Innovatoren suchen müssen. Und auch wenn jemand nicht offen für Neues ist, bleibt diese Person trotzdem ein Kunde. Da muss man als Firma trotzdem ein gesundes Selbstbewusstsein behalten, Nutzerfeedback aufnehmen und genau hinschauen.

Und wie sieht es innerhalb von Unternehmen aus. Wird die Digitalisierung über den Mitarbeiter hinweg vollzogen werden oder versucht man Hand in Hand einherzugehen?

Das ist nicht so einfach zu sagen, denn natürlich geht nichts ohne die Mitarbeiter und ohne eine Innovationskultur. Aber man muss natürlich die Mitarbeiter fordern. Innovationskultur bedeutet ja auch, dass jeder Mitarbeiter etwas dazu beitragen kann. Das ist das Gute daran. Das funktioniert heute besser denn je. Es gibt heutzutage zum Beispiel hierarchielose Unternehmen, was die Kommunikation stark fördert. Trotzdem kann das Management natürlich immer nur ein Stück weit in die Richtung handeln. Sie müssen dafür sorgen, dass die Mitarbeiter immer genug Drive haben, sich zu beteiligen. Ein einfacher Tipp für ein Unternehmen ist, es einfach mal anders zu machen als vorher. Was der richtige Weg ist oder wie man in Zukunft digital erfolgreich sein kann, weiß noch kein Unternehmen. Man soll das, was man vorher besonders gut gemacht hat, nicht komplett sein lassen, aber einfach mal ein bisschen was verändern schadet auch nicht. Wenn man sehr hierarchieorientiert war, dann arbeitet man mal weniger hierarchieorientiert. Wenn man prozessorientiert war, geht man ein wenig vom prozessorientierten Denken weg und versucht neue Erfahrung zu sammeln.

Sandra
Hofmann Head of Communications

Weitere Artikel des Autors