E-Mobilität im Alltag eines Beraters mit dem Jaguar I-PACE

Wir nehmen der Geschichte die vorläufige Quintessenz vorweg, ein klassischer Spoiler: Der Stresstest des Jaguars ist bisher mit “ernüchternd” zu bezeichnen. Besonders in den ersten drei Monaten ist der I-PACE zielsicher, wenngleich auch teilweise nur knapp, den meisten Erwartungen etwas schuldig geblieben.

Im Autohaus

Die durchwachsene Reise mit der britischen Raubkatze begann bereits holprig. Als erster der Kollegen, die den Stresstest wagen, holte ich das Fahrzeug in einem 300km von seinem Wohnort entfernten Autohaus ab. Natürlich in der Erwartung, dass das Fahrzeug die zu fahrende Strecke problemlos meistern würde - ist es doch mit WLTP 480 km angegeben. Da ist ja sogar noch Luft für den einen oder anderen Umweg! Theoretisch.

Während der Fahrzeugauslieferung beim Händler stellte sich schnell heraus, dass das Fahrzeug lediglich eine Reichweite von maximal 310 km besitzt. Über diese Enttäuschung konnte die hervorragende Verarbeitung des Fahrzeuges, das haptisch wie optisch wirklich überzeugte, nicht ausreichend hinwegtrösten. Der Wert der Reichweite solle sich laut Hersteller wohl einpegeln.

 

Zusätzlich interessant war der Fakt, dass zur Nutzung des Fahrzeugs fünf Apps notwendig sind. Hinzu kommt zur Einrichtung und Steuerung der Wallbox noch eine sechste App. Insgesamt drei Anwendungen benötigt der Jaguarfahrer für das Thema “Ladesäulen” und, wie sich noch herausstellt, das auch zu Recht. Nachdem die Fahrzeugübergabe im Autohaus beendet war, konnte nun der spaßige Teil starten.

Die erste Fahrt

Jedoch schwand die naive Hoffnung mit der initialen Ladung die gesamte Strecke meistern zu können trotz vorsichtigem Fahren sehr schnell. Daher fiel die Entscheidung, die Strecke mit einem Ladestop zu unterbrechen. Weil von den aktuell 20 verfügbaren Steckervarianten jedoch nur drei mit Jaguar genutzt werden können, gilt: Augen auf bei Routenplanung. Diese Lehre machte ich nach der ersten angefahrenen Raststätte auch - Strom gab es dort leider nur für Teslas und Wohnmobile. Entlang der Strecke befanden sich einige Ladeoptionen, gestoppt wurde dann nach 200 km und dem prüfenden Blick auf eine der Ladesäulenapps. Dort angekommen, wurde das Fahrzeug angeschlossen.

“Laden wird initialisiert.” Sollte also passen.

Leider passte es dann doch nicht, 20 min später war der Status “initialisieren” nicht durch “laden” abgelöst worden. Abstecken und wieder anstecken brachten keine Besserung am Schnelllader. Der Wechsel auf den Typ2-Stecker - erwartungsgemäß ineffizient - das Ergebnis nach weiteren 20min: die Reichweite wurde um 15 km erhöht. Auf der weiteren Strecke verbrauchte das Fahrzeug weiterhin leider mehr als initial erechnet, was einen weiteren Stopp unerlässlich machte. Das Anstecken an dem einzig vorhanden Typ2-Stecker mittels eigenem Kabel war hier kostenlos. Nach einer kurzen Pause ließ sich das Fahrzeug diesmal nicht vom Stecker entkoppeln. Nach der Entkopplung durch den Ladestationservice auf der einen und Entsperrung durch Jaguar auf der anderen Seite konnte die Fahrt fortgesetzt werden. Da auch hier die kurze Ladedauer keine ernsthaften Ergebnisse brachte, mussten die restlichen 100 km im Stromsparmodus zurückgelegt werden. Displays, Heizungen, Radio - alles aus. Aber immerhin wurde so das Ziel mit einem satten 15 km Überschuss erreicht.

Wir fassen zusammen:

  • Auslieferung mit 65% der versprochenen Gesamtreichweite
  • nur 3 von 20 in der App gelisteten Steckern passen
  • Typ2 Stecker erfordern maximale Geduld (15km in 20min)
  • Typ2 Stecker bergen mögliche Abkopplungsabenteuer

Daheim aufladen

Das Laden zuhause funktioniert per Wallbox bequem. Die volle Ladung benötigt hier bei 16 Ampere circa 40 Stunden. Vollladung heißt in diesem Fall (trotz WLTP 480 km) dass man aus knapp zwei Tagen lediglich 300 bis maximal 350 km Leistung erhält.

 Pro-Tipp für alle go-e Wallbox-Einrichter: Man kann sie zwar in das Haus-WLAN einbinden, aber nur, wenn es in der WLAN-SSID keine Leerzeichen gibt.

Für flexibleres Laden kann man natürlich die Schnellladestationen in der Umgebung nutzen, unser nicht-empirische Versuch hat hier wieder eine 50%ige Fehlerquelle ergeben. An einer von zwei Stationen schafft das Fahrzeug es nicht über den “initialisieren”-Modus hinaus.

 Pro-Tipp von der Jaguar-Service-Hotline: “Fahren Sie doch einfach weiter zur nächsten Station.“

Solange noch ausreichend Kilometer auf der digitalen Uhr sind, ist das sicher auch kein Problem. Wohl dem, der hier das richtige Händchen hat. Nach dem Umrüsten auf einen heimischen 32A-Stecker hat sich die Ladedauer nun glücklicherweise auf 22 Stunden verkürzt, was für den Gebrauch zu Hause für mich praktikabel und ausreichend ist.

Wallbox

Eine Wallbox ist eine spezielle Ladestation für Elektroautos, die unkompliziert in das Stromnetz daheim integriert werden kann. Der Vorteil einer Wallbox ist, dass damit der Ladevorgang überwacht wird und so das Heimnetz vor zu hoher Last geschützt ist.

Wir haben uns für eine Wallbox von go-e mit eigener API entschieden. 

Weitere Informationen

Die erste geschäftliche Reise

Die erste Dienstreise mit dem Jaguar hatte mit 120km einfach eine machbare Strecke. Leider endete es darin, dass am zweiten Tag das Fahrzeug etliche Fehlermeldungen ausgab und keine Anstalten machte, seinen Dienst zu verrichten. Da die Ferndiagnose ohne Ergebnis blieb, musste der Jaguar abgeschleppt werden. Nur sieben Tage später war der Fehler auch schon gefunden - ein Software-Update war notwendig. Ein paar Releasenotes zur Vorwarnung und eine etwas flinkere Diagnose hätten hier sicher nicht geschadet.

 

Nachdem der Jaguar wieder aus der Werkstatt zurück war, gab es für mich einen neuen Projekteinsatz mit einer Entfernung von ca. 400km. Das wird der erste richtige Härtetest.

Wie schon eingangs geteasert, die Geschichte von "Jochen und dem Jaguar" war keine Verbindung frei von Problemen, entsprechend gemischt liest sich auch mein Fazit.

Fazit

 

Jochen
Raab SAP BI Experte

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