Seit Ende November ist die Version 1.6 von SAP BO Design Studio offiziell verfügbar. Diese beinhaltet einige lang ersehnte Komponenten und Verbesserungen und stellt durch die Integration der, auch in SAP Fiori verwendeten, SAPUI5 m-Bibliothek die Weichen für eine bessere Unterstützung von responsiven Dashboards. Im Folgenden findet sich ein Überblick über die Neuerungen und Verbesserungen.

Integration der SAPUI5 m-Bibliothek

Beim Anlegen einer Anwendung fällt direkt auf, dass der Bildschirm zur Auswahl eines Templates neu ist. Musste man sich in vorherigen Versionen noch entscheiden, für welches Endgerät das Dashboard entwickelt werden soll, so ist diese Auswahl nicht mehr vorhanden. Stattdessen kann nun eine Entscheidung getroffen werden, ob man eine Anwendung basierend auf der bisher verwendeten SAPUI5- oder der neu integrierten SAPUI5 m-Bibliothek erstellen möchte. 
Die SAPUI5 m-Bibliothek stellt dabei die zukunftsträchtige Variante dar, welche insbesondere die Weichen für wirklich responsive (für mehrere Endgeräte optimierte) Dashboards stellt. Allerdings ist die Integration noch nicht vollends abgeschlossen. Neben der begrenzten Anzahl an vorhandenen Templates (alle "Ready to Run"-Templates basieren noch auf SAPUI5), werden aktuell auch noch nicht alle Komponenten unterstützt. Hier muss die SAP in den nächsten Service Packs oder dem nächsten Release noch nachlegen.

Gut hingegen ist, dass sich existierende Design Studio Dashboards automatisiert nach SAPUI5 m konvertieren lassen.

Neue und verbesserte Komponenten

In Sachen Komponenten hat sich in Release 1.6 einiges getan. Lang ersehnt und endlich verfügbar ist die Scorecard-Komponente. Mit dieser ist es möglich, Inhalte als formatierte Tabelle darzustellen. Dabei bietet die Komponente eine Vielzahl an Konfigurationsmöglichkeiten. So können Spalten zusammengefasst, Überschriften hinzugefügt und auch die Spalteninhalte sehr detailliert angepasst werden. Neben der einfachen Darstellung von Kennzahl- und Merkmalswerten, können auch Exceptions via Icon oder die Daten via Microcharts (z.B. Bullet Chart, Line Chart) visualisiert werden.

Ebenfalls neu ist das Planning Spreadsheet, welches eine an Excel orientierte Ansicht zur Eingabe von Planungsdaten liefert. Der Clou dabei: Daten können direkt aus Excel kopiert und in das Spreadsheet eingefügt werden.

Als Ablösung der bislang existierenden Chart-Komponente wurde mit dem InfoChart eine neue Möglichkeit eingefügt, Daten grafisch zu visualisieren. Zwar bleibt die Chart-Komponente aus Kompatibilitätsgründen weiter verfügbar, weiterentwickelt werden jedoch nur noch die InfoCharts. Die InfoChart-Komponente bietet aktuell einige zusätzliche Chart-Typen, wie den Bullet Chart oder verschiedene Trellis Chart-Varianten. Hintergrund der Einführung ist eine Zusammenlegung der Chart-Bibliotheken von SAP BO Design Studio und SAP Lumira.
Mit der Chart Feeding-Komponente steht für den InfoChart eine neue Komponente zur Verfügung, die es Endnutzern zur Laufzeit erlaubt, den Aufriss und weitere Eigenschaften eines Charts zu ändern.

Weiterhin neu sind die Timer- und Tree-Komponenten zum zeitgesteuerten Triggern von Events in einer Anwendung (Timer) und der Darstellung von von Baumstrukturen inklusive Selektion im Frontend (Tree). 

Neue Komfortfunktionen für Entwickler und Endnutzer

Sowohl für Entwickler, als auch für die Endnutzer beinhaltet Version 1.6 eine Reihe an Verbesserungen. Aus Entwickler-Sicht ist insbesondere die Nutzung von lokalen CSV-Dateien als DataSources eine große Unterstützung beim Erstellen von Prototypen und Demo-Anwendungen. Benötigte Daten lassen sich so aus bestehenden Systemen extrahieren oder komplett ohne Backend-Anbindung integrieren. Das Dashboard kann dann als ZIP-Datei gepackt und einfach per E-Mail versendet werden. Der Empfänger kann die Datei dann einfach in seinem Design Studio Repository entpacken und verwenden.
Ebenfalls für Entwickler interessant ist die Integration eines CSS-Editors inklusive Syntax-Highlighting und Autovervollständigung direkt in Design Studio. Dies erspart das mühevolle Abspringen in ein anderes Tool und das spätere Hochladen der geänderten CSS-Dateien.
Nennenswert im Bereich Entwickler-Komfort ist zudem die direkte Integration einer Icon-Bibliothek. Auch eigene Icon-Fonts können hier einfach hinzugefügt werden.

Für Endbenutzer sind in Design Studio 1.6 zwei zentrale Verbesserungen vorhanden. Zum einen können Nutzer eigene Kennzahlen zur Laufzeit definieren, die auf existierenden Kennzahlen basieren. Des Weiteren ist es möglich, das Aggregationsverhalten von Kennzahlen nachträglich zu verändern. So lassen sich zum Beispiel nur die Top N-Werte anzeigen. Diese beiden Features sind insbesondere für Ad-Hoc-Analysen relevant und unterstreichen die vermehrte Ausrichtung von Design Studio Anwendungen als Self-Service-Werkzeuge. 

SAP BO BI Platform im Fokus

Mit dem neuen Release 1.6 richtet die SAP ihre zukünftige Entwicklung gänzlich auf die BI Plattform aus. Die bisher unterstützen Deployment-Optionen SAP NetWeaver BW und SAP HANA werden zwar weiterhin unterstützt, neue Entwicklungen und Features werden aber nur noch für die BI Plattform umgesetzt. Die SAP begründet diese Entscheidung damit, dass die bisherige Vielzahl an unterstützen Plattformen zu Verwirrung bei den Kunden geführt hat.

Mike
Zaschka SAP BI Expert

Weitere Artikel des Autors