SAP BO Design Studio und SAP Lumira sind die zentralen Frontend-Werkzeuge der SAP für die Erstellung von Management- (Design Studio) und Self-Service (Lumira) -Dashboards und -Analysen. Als die SAP Mitte 2016 ankündigte, beide Werkzeuge zu einem Tool – SAP Lumira 2.0 – zusammen wachsen zu lassen, sorgte dies zunächst für etwas Verwirrung und Unsicherheit. Schon wieder ein neues Werkzug? Und was passiert mit Design Studio? Bleiben die damit erstellten Dashboards funktionstüchtig? Wie hoch wird der Migrationsaufwand werden? Und macht das so überhaupt Sinn?

Nach den ersten Gehversuchen mit SAP Lumira 2.0, welches für Endkunden Ende August 2017 verfügbar sein soll, wagen wir uns an die Beantwortung dieser Fragen... und ziehen ein erstes recht positives Fazit.

Warum SAP Lumira 2.0?

Die SAP macht sich dieser Tage viel Mühe zu erklären, warum die Zusammenlegung beider Tools mit vielen Vorteilen verbunden ist. Kurz zusammengefasst:

SAP Lumira 1.x ist ein einfach zu bedienendes Werkzeug für Self-Service-BI Szenarien, welches die Integration und Verknüpfung von verschiedenen Datenquellen (Data Blending) und die anschließende Visualisierung ohne Programmieraufwand im Fachbereich ermöglichen.
Design Studio dagegen ist ein Werkzeug zur Erstellung von komplexen Management-Dashboards und aufgrund einer internen Skriptsprache vorzugsweise von Nutzern mit IT-Kenntnissen zu bedienen. Bisher war die Tool-Auswahl immer eine Entweder-Oder-Entscheidung, verbunden mit den Nachteilen einer kompletten IT-Abhängigkeit oder eines eingeschränkten Funktionsumfangs. 

Zwar behält SAP Lumira 2.0 die Einteilung in zwei Tools bei, allerdings teilen sich diese nun eine technologische Basis: Sowohl das Datenformat, als auch die Laufzeit-Komponente werden von beiden Werkzeugen genutzt. Diese Interoperabilität ermöglicht eine neue und deutlich intensivere Art der Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und der IT:
Im Fachbereich erstellte Dashboards, Analysen oder Prototypen können von der IT als Grundlage für komplexere Dashboards verwendet oder gezielt um komplexere Funktionen erweitert werden. Statt reiner Self-Service BI im Fachbereich oder starrem IT-Korsett mit allen damit verbundenen Nachteilen, können die Bereiche direkt zusammen arbeiten. 
Dafür enthält SAP Lumira 2.0, wie bereits erwähnt, zwei Werkzeuge: SAP Lumira Discovery und SAP Lumira Designer.

SAP Lumira Discovery

Bei SAP Lumira Discovery handelt es sich um eine neue Version des alten SAP Lumira 1.x-Clients, der jedoch technologisch und in Sachen Benutzerführung einer Generalüberholung unterzogen wurde. Die ersten Schritte mit Lumira Discovery sind deswegen etwas ungewohnt. Hat man jedoch das User Interface verstanden und weiß, wie die Funktionen nun angeordnet sind, dann findet man sich im Weiteren schnell zurecht.
Neben der grundlegenden optischen Auffrischung, ist die auffälligste Neuerung der Wegfall der einzelnen "Räume" für Datenaufbereitung, die Erstellung von Visualisierungen und das Zusammenfügen dieser zu einer Story. Dies kann nun deutlich intuitiver in einer Oberfläche durchgeführt werden. Dabei lassen sich erstellte Visualisierungen frei im Design-Bereich positionieren und auch in Sachen Größe beliebig anpassen. Definitiv ein großer Fortschritt im Vergleich zu Lumira 1.x.
Eine weitere große Neuerung ist die Anbindung von Live-SAP BW-Daten, ohne dass diese im Dokument gespeichert werden müssen. Bislang war dies nur mit einer HANA-Verbindung möglich. Ansonsten finden sich viele Änderungen im Detail: So wurden die Visualisierungs-Auswahl und auch das Rendering überarbeitet, wobei man einige Dinge (formatierte Tabelle) noch immer vermisst. Und auch die Export-Funktionen wurden erweitert.

SAP Lumira Designer

Auch wenn der Name zunächst nicht darauf hinweist, handelt es sich bei dem SAP Lumira Designer-Client um nichts anderes, als eine erweiterte Version von Design Studio. Bereits der Programmstart verrät, dass hier technologisch auf der stabilen Basis von Design Studio aufgebaut wurde und auch im Detail bleiben die alten Funktionen erhalten, allerdings an mehreren Stellen sinnvoll erweitert.
Die auffälligste Neuerung wartet beim Anlegen eines neuen Dashboards: Anstatt ein neues anzulegen, muss zunächst ein Lumira-Dokument angelegt oder ausgewählt werden. Dieses Dokument dient als Container für verschiedene alte und neue Objekte: 
Wurde bereits ein Dokument in Lumira Discovery erstellt, dann finden sich hier sowohl alle erstellten Datenquellen, als auch die erstellten Stories inklusive Visualisierungen. In Lumira Designer sind Letztere als so genannte Composites verfügbar und können nicht nur angesehen, sondern auch verändert und erweitert werden. Gleichfalls ist es möglich, sämtliche Objekte (Charts, Offline-Datenquellen, etc.) zu kopieren und in einem neuen Dashboard zusammen zu führen. Die Composites dienen jedoch nicht nur zum Austausch von Objekten mit Lumira Discovery, sondern es können auch komplett eigene in Lumira Designer erstellt werden. Der Sinn dahinter ist es, generische und konfigurierbare Komponenten nur mit Bordmitteln – ohne den Weg über das SDK – zu erstellen. Klassisches Beispiel hierfür sind KPI-Kacheln oder Header- und Footer-Elemente, die bisher immer wieder in ihren Einzelbestandteilen kopiert werden mussten.
Neben den Composites gibt es noch eine Reihe an weiteren Verbesserungen. Die Highlights:

  • Globale Variablen sind nun nicht mehr in den Eigenschaften des Dashboards versteckt, sondern direkt über die Outline-View sicht- und editierbar. Zudem ist es endlich möglich, auch mehrere Objekte (Arrays) in einer globalen Variable zu speichern.
  • Durch die neu eingeführte Adaptive Layout-Komponente ist es nun möglich, auch ohne erweiterte CSS-Kenntnisse adaptive Dashboards zu bauen, die sich an die Bildschirmgröße des Endgeräts (Smartphone, Tablet oder Desktop) anpassen und nebeneinander liegende Objekte dynamisch umbrechen können.
  • Das Bookmark-Konzept wurde komplett überarbeitet und Bookmarks stehen nun als eigene technische Komponente bereit. In einem Bookmark können die Zustände von gezielt ausgewählten Komponenten für einen User zwischen gespeichert und bei Bedarf geladen werden. Aufgrund der Flexibilität können so nutzerspezifische Funktionen und Sichten in einem Dashboard zur Verfügung gestellt werden, die deutlich über eingeschränkten Funktionen im alten Design Studio hinausgehen.

Kompatibilität, Stabilität und Lizenzen

Schon wieder eine Änderung im Produktportfolio der SAP. Und was machen wir mit unseren alten Design Studio-Dashboards? Diese oder ähnliche Fragen haben wir bereits mehrfach von unseren Kunden gehört. 

Existierende Design Studio-Dashboards können weiterhin parallel betrieben oder automatisiert in das neue Format importiert werden. Erste Feldversuche liefen dabei absolut problemlos von statten. Selbst Drittanbieter-Komponenten, wie die IBCS-konformen Komponenten der Firma Graphomate haben ohne Probleme auch in Lumira Designer funktioniert, wobei davon auszugehen ist, dass direkt nach der Veröffentlichung von Lumira 2.0 neue Versionen zur Verfügung gestellt werden.

In der uns zur Verfügung stehenden Early-Access-Version liefen beide Tools bereits sehr stabil, wobei es bei dem Discovery-Client hier und da noch ein paar kleine Probleme gab. Lumira Designer lief (ob des bereits erprobten Design Studio-Kerns) nahezu fehlerfrei. In entsprechenden SAP Notes (S-User erforderlich) hat die SAP jedoch bereits eine Liste mit offenen Themen und Problemen der RTC-Versionen bereitgestellt und angekündigt, diese bis zum finalen Release zu beheben. 

In Sachen Lizenzen bleibt zunächst alles beim Alten: Wer über gültige Lizenzen für Design Studio oder Lumira verfügt, erhält nach Veröffentlichung automatisch Zugang zur gemeinsamen Server-Runtime und Lumira Discovery (Lumira) und/oder Lumira Designer (Design Studio). Da die einzelnen Tools bisher andere Anwendungsgebiete abgedeckt haben, sollten Unternehmen mit nur einer gültigen Lizenz im Rahmen ihrer BI Strategie den kompletten Einsatz von SAP Lumira 2.0 zu evaluieren. Insbesondere die Interoperabiltität zwischen den zwei Clients könnte dazu beitragen, dass aus den ständigen Diskussionen zwischen Fachbereich und IT über Datenhoheit und zu langen IT-Umsetzungszeiten, eine kooperative Zusammenarbeit wird.

Ein erstes Fazit

SAP Lumira 2.0 wird von der SAP derzeit mit viel Engagement beworben, obwohl noch gar nicht erschienen. Die Erwartungshaltung an die neue Mayor-Version ist entsprechend hoch.

Man merkt Lumira Discovery an, dass der technologische Umbau viel Entwicklungszeit gekostet hat. Das Ergebnis ist dem ersten Eindruck nach sehr gut gelungen und ein deutlicher Fortschritt im Vergleich zu Lumira 1.x. Die Konkurrenz im Bereich "Modern BI" ist jedoch mit Tableau, QlikView und PowerBI recht hoch und an der ein oder anderen Stelle besteht weiterhin Verbesserungsbedarf. Dennoch bietet der neue Discovery-Client ein sehr solides Grundgerüst, um die fehlenden Dinge in den nächsten Versionen nachzubessern.

Die Schaffung einer technologischen Grundlage für Lumira und Design Studio hebt Lumira dann aber wiederum ab. Auch wenn die Definition von Modern BI/Self-Service BI die Unabhängigkeit von der IT als grundlegende Prämisse beinhaltet, so zeigt die Realität, dass Business Intelligence, insbesondere im Enterprise- (und damit SAP-)Umfeld, nicht ohne IT funktionieren kann. Dies betrifft ebenfalls den Bereich der komplexeren analytischen Applikationen und Management Dashboards. Und hier schafft die Interoperabiltät zwischen den zwei Clients ein Szenario, in dem beide Welten, Fachbereich und IT, gemeinsam und mit den jeweiligen Stärken zusammen arbeiten können.

Ist SAP Lumira 2.0 jetzt also der erhoffte große Wurf? Dies lässt sich wohl erst dann beantworten, wenn die Tools im Einsatz sind und die Unternehmen die Änderungen in der Zusammenarbeit adaptiert haben. In jedem Fall ist Lumira 2.0 jedoch eine deutliche Weiterentwicklung von Lumira und Design Studio, die gezielt alte Schwächen ausgemerzt, viele neue Verbesserungen hinzugefügt und eine tolle Basis für zukünftige Entwicklungen geschaffen hat!

 

 

Mike
Zaschka SAP BI Expert

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